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Werkstudent und Minijob: Beides ist möglich!

Christiane Peters am 08.04.2021
ca. 1198 Worte
ungefähre Lesezeit 4 Minuten 21 Sekunden
Werkstudent und Minijob: Beides ist möglich!
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Inhalt:
  1. Werkstudenten und Minijobber zahlen weniger Abgaben!
  2. Was ist ein Werkstudent?
  3. Was ist ein Minijobber?
  4. Minijob und Werkstudent in Kombination: Das musst du beachten!   
    1. Tipp 1: Beachte die 20-Stunden-Regel
    2. Tipp 2: Gesetzlich vorgegebene Höchstarbeitszeit
    3. Tipp 3: Einkommensteuer
    4. Tipp 4: Steuerpflicht
    5. Tipp 5: Auf die Steuerklasse kommt es an
    6. Tipp 6: BAföG-Anspruch
  5. Minijob und Werkstudent: So wirken sich beide Jobs auf die Krankenversicherung aus  

Während des Studiums als Werkstudent in einem Unternehmen arbeiten und zusätzlich noch eine zweite Einnahmequelle durch einen Minijob sichern. Für viele Studierende ist das mittlerweile notwendig, damit sie ihren Lebensunterhalt zahlen können. Das ist zwar aus zeitlicher Sicht eine besondere Herausforderung. Schließlich sind der Besuch der Hochschule und das Lernen für Klausuren und Prüfungen auch noch zu bewältigen. Mit einer großen Portion Disziplin und Motivation ist es möglich, die verschiedenen Tätigkeiten miteinander zu vereinbaren. Doch ist es rechtlich überhaupt erlaubt, als Werkstudent und gleichzeitig auch als Minijobber tätig zu werden? Was gilt es zu beachten? Was sind die wichtigsten Regelungen im Hinblick auf Abzüge, Arbeitszeiten und Versicherungspflicht?

Werkstudenten und Minijobber zahlen weniger Abgaben!

Grundsätzlich ist es möglich, beide Jobs parallel auszuüben. Als eingeschriebener Student, der als Werkstudent und Minijobber tätig ist, hast du einen besonderen Status und zahlst für beide Beschäftigungen nur geringe Abgaben.

Als Student profitierst du zudem von einem besonderen Privileg: Für deine Werkstudententätigkeit zahlst du keine Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung.
Bei der Ausübung eines Minijobs fallen keine Abgaben an. Allerdings musst du einen Antrag auf Befreiung von der Rentenversicherung stellen.

Was ist ein Werkstudent?

Werkstudenten sind Studierende, die an einer Hochschule eingeschrieben sind und neben ihrem Studium außerdem einer abhängigen Beschäftigung nachgehen. Das kann ein Hauptjob, ein Minijob oder ein Praktikum sein. Allerdings gilt, Werkstudenten dürfen pro Woche höchstens 20 Stunden arbeiten. Das gilt zumindest während des Semesters. Gleichzeitig müssen sie über den Status eines eingeschriebenen Studenten verfügen, um eine Tätigkeit auszuüben. Falls du dich im Urlaubssemester befindest, darfst du nicht als Werkstudent tätig werden. Das gilt auch für den Fall, dass du bereits deine Abschlussarbeit abgegeben hast.

Werkstudentenjobs sind nicht nur für Studenten, sondern auch für Arbeitgeber attraktiv.

Studenten haben so die Möglichkeit, eine spannende Tätigkeit auszuüben, die eng mit ihren Studieninhalten verknüpft ist. Oft schreiben sie in Kooperation mit dem Arbeitgeber an ihrer Abschlussarbeit.
In den meisten Fällen ist der Stundenlohn höher als bei einfachen Aushilfstätigkeiten.
Auch viele Arbeitgeber setzen auf Werkstudenten, weil diese häufig über gute Qualifikationen verfügen.

Was ist ein Minijobber?

Neben kurzfristigen Beschäftigungen fallen auch geringfügig entlohnte Beschäftigungen, auch als 450 Euro-Jobs bekannt, in die Kategorie Minijob.

Minijobs sind, anders als Werkstudentenjobs, für alle Beschäftigten offen und nicht nur für Studierende. Studenten, die in einem Minijob arbeiten, übernehmen in der Regel Aushilfstätigkeiten im Supermarkt oder arbeiten als Servicekraft.  

Minijob und Werkstudent in Kombination: Das musst du beachten!   

6 Tipps, für eine gute Vereinbarkeit von Werkstudententätigkeit und Minijob:

Tipp 1: Beachte die 20-Stunden-Regel

Die Zahl 20 hat für dich eine besondere Bedeutung. Wenn du in der Woche mehr als 20 Stunden in beiden Jobs arbeitest, dann hat das Konsequenzen auf deinen Status als Werkstudent, der dir dann nämlich aberkannt wird. Außerdem verlierst du deinen Studierendenstatus in der Sozialversicherung. Das bedeutet für dich, du musst alle Beiträge regulär für alle Sozialversicherungsbereiche zahlen.

Eine Ausnahme: Falls du mehr als 20 Stunden in der Woche arbeitest, diese Tätigkeit jedoch am Abend, nachts oder am Wochenende ausübst, dann behältst du deinen Status als ordentlich Studierender. Weil du während dieser Zeit nicht in der Hochschule aktiv bist.

In diesem Fall musst du aber folgende Voraussetzungen erfüllen:

  • Du widmest die meiste Zeit und Arbeitskraft dem Studium und nicht dem Job.
  • Die Tätigkeit muss befristet sein, und zwar auf maximal 26 Wochen. Diese Bedingung gilt seit dem 1.1.2017.

Arbeitest du weniger als 20 Stunden, ist eine Kombination aus Werkstudent und Minijob durchaus attraktiv. In diesem Fall zahlst Du keine zusätzlichen Beiträge für die Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung. Lediglich die Rentenversicherung wird für deinen Job als Werkstudent fällig. Und im Minijob kannst Du Dich von Letzterer befreien lassen.

In der Praxis hat sich gezeigt, dass die 20 Stunden-Grenze von den Krankenkassen manchmal unterschiedlich definiert wird. Es gibt Institutionen, die ziehen die Grenze bei bis zu 20 Stunden, manche bei genau 20 Stunden. Um auf Nummer sicherzugehen, ist es ratsam, bei der jeweiligen Krankenkasse nachzufragen.

Tipp 2: Gesetzlich vorgegebene Höchstarbeitszeit

Eine abhängige Beschäftigung mit täglicher Arbeitszeit von mehr als zehn Stunden und eine wöchentliche Arbeitszeit von mehr als 48 Stunden sind verboten. Diese Regelung gilt übrigens unabhängig vom Studentenstatus.

Tipp 3: Einkommensteuer

Wenn du als Werkstudent parallel auch als Minijobber arbeitest, kann es sein, dass du für deine Einkünfte einkommensteuerpflichtig bist. Grundsätzlich gilt, erreicht die Summe aus beiden Einkommen eine bestimmte Höhe, dann besteht eine Steuerpflicht.  

Tipp 4: Steuerpflicht

In der Regel beginnt die Steuerpflicht für Studierende oberhalb des jährlichen Steuerfreibetrags. Aktuell (Stand 2020) liegt diese bei 9.408 Euro. Wenn du nicht verheiratet bist und kein Kind hast, ist es erlaubt, 764 Euro monatlich zu verdienen, ohne am Jahresende Steuern zu zahlen. Überschreitest du diese Grenze, dann wirst du zur Kasse gebeten. Die Höhe der Steuern hängt von deiner Steuerklasse ab. Sie variiert zwischen 14 Prozent und 45 Prozent. Zusätzlich musst du noch Solidaritätszuschlag und eventuell Kirchensteuer zahlen.  

Tipp 5: Auf die Steuerklasse kommt es an

Die Entscheidung für die richtige Steuerklasse als Studierender kann richtig geldwert sein. So hast du die Möglichkeit, hohe Abzüge zu vermeiden und monatlich über mehr Geld zu verfügen.
Ein Beispiel: In der Steuerklasse 6 werden die höchsten Abzüge fällig. Sie kommt für alle Zweit- oder Drittjobs zur Anwendung. In dem Fall ist es sinnvoll, dass du die Beschäftigung mit dem geringsten Verdienst dieser Steuerklasse zuweist.   

Tipp 6: BAföG-Anspruch

Falls du als Werkstudent zusätzlich auch BAföG beziehst, kannst du ab einem Einkommen von über 4.880 Euro pro Jahr deinen Anspruch unter Umständen verlieren. Möglich ist auch, dass die Höhe der BAföG-Zahlung sinkt.

Minijob und Werkstudent: So wirken sich beide Jobs auf die Krankenversicherung aus  

Die Auswirkungen einer Beschäftigung auf die Krankenversicherung während des Studiums sind nicht zu unterschätzen.
Entscheidend ist jedoch die Form deiner Krankenversicherung.

Hier einige hilfreiche Informationen:

  • Wenn du unter 25 Jahre alt bist, ist es sinnvoll, die gesetzliche Familienversicherung zu wählen. Beiträge fallen hier keine an.
  • Allerdings darfst du maximal nur 450 Euro in deinen beiden Jobs verdienen. Ist dein Verdienst höher, musst du die Familienversicherung verlassen und dich selbst versichern. Die Kosten liegen pro Monat bei rund 80 Euro. Du hast die Wahl zwischen einer gesetzlichen oder privaten studentischen Krankenversicherung.
  • Falls du aufgrund deines Einkommens nicht mehr als Student in der Sozialversicherung giltst, hast du den Status eines Arbeitnehmers. Damit verlierst du die Vorteile von Werkstudentenjobs und Minijobs in Bezug auf die Sozialversicherungsfreiheit.
  • Einen Vorteil hat dieses allerdings auch: Du bist zwar verpflichtet, Beiträge in die Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung zu entrichten. Jedoch musst du dich nun nicht mehr selbst krankenversichern. Positiv ist zudem: Mit deiner Tätigkeit und der Zahlung von Sozialversicherungsabgaben erwirbst du Ansprüche auf staatliche Unterstützungsleistungen. Damit hast du zum Beispiel auch Anspruch auf Arbeitslosengeld.

Studierende sind angesichts steigender Lebenshaltungskosten heute oftmals gezwungen, mehrere Tätigkeiten aufzunehmen, um den Lebensunterhalt zu sichern. Das bedeutet für viele eine enorme Belastung. Aus Sicht des Gesetzgebers ist es jedoch kein Problem, als Werkstudent und Minijobber seine Brötchen zu verdienen. Allerdings gibt es einige Regeln zu beachten. Wie oben beschrieben, dürfen Studierende eine bestimmte Arbeitsstundenzahl pro Woche nicht überschreiten, wollen sie nicht aufgrund ihres besonderen Status ihre Befreiung von der Zahlung ihrer Sozialversicherungsabgaben aufs Spiel setzen.   

Wer das nicht beachtet, wird als „normaler“ Arbeitnehmer behandelt mit allen dazugehörigen Pflichten und Rechten. Das kann auch positiv sein, weil damit auch staatliche Unterstützungsleistungen verbunden sind.