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Verschwiegenheitspflicht im Minijob: Achtung, das ist geheim!

Verschwiegenheitspflicht im Minijob: Achtung, das ist geheim!
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Anastasia Johlen am 14.02.2019

Nach einem anstrengenden Arbeitstag sich über Probleme, Kunden oder gar Kollegen auslassen, Dampf ablassen und den Feierabend ausklingen lassen. Aber was dürfen Sie über Ihre Tätigkeiten im Minijob erzählen? Was muss geheim bleiben und darf nicht an dritte weitergegeben werden? Erfahren Sie hier alles rund um die Schweigepflicht und Verschwiegenheit von Arbeitnehmern. 

Vorsicht: Plaudern Sie nicht zu viel über Details im Job!

Vielleicht haben auch Sie schon Ihrer Familie über Fortschritte, Weiterentwicklungen oder Neuerungen berichtet, ohne zu wissen, dass einige Aspekte unter die Schweigepflicht fallen. Es ist also Vorsicht geboten: Sie dürfen nicht alles aus Ihre Berufsleben preisgeben

Verschwiegenheitspflicht: Was ist das?

Besonders in diversen Berufen wird ein hohes Maß an Verschwiegenheit von Arbeitnehmern verlangt. So gilt als Schweigepflicht, die Pflicht verschiedener Berufsgruppen oder Personen, Informationen und Geheimnisse nicht an Außenstehende weiterzugeben. Bekannt für diese Verschwiegenheit sind Ärzte und Anwälte.

Alle Arbeitnehmer haben eine Pflicht über bestimmte Dinge aus ihrem Berufsalltag zu schweigen. Es gibt im Grunde die betriebliche Schweigepflicht, welche Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse umfasst und die berufliche Schweigepflicht, welche für einen bestimmten Personenbereich aufgrund dessen Beruf gilt, etwa Geistliche und Ärzte.

Für welche Bereiche gilt die Schweigepflicht im Job?

Die Verschwiegenheitspflicht oder auch Schweigepflicht gilt für jegliche Informationen, die dem Arbeitnehmer durch seine Tätigkeit zugetragen wird. Dazu zählen auch private Situationen oder finanzielle Schwierigkeiten anderer Personen. 

Verschwiegenheit einhalten in Hinblick auf

  • Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse,
  • Vertrauliche Angaben, die vom Arbeitgeber als vertraulich bezeichnet werden.

Beispiele für Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse:

  • Kundendaten
  • Absatzmärkte
  • Produktionsverfahren
  • Lieferanten
  • Marketingkonzepte
  • Technisches Know-how
  • Kreditwürdigkeit
  • Kalkulationen

Regelung der Schweigepflicht

In der Regel wird die Verschwiegenheitspflicht über den Arbeitsvertrag geregelt. Dort wird dem Arbeitnehmer in bestimmten Passagen die Weitergabe von Betriebsgeheimnissen und internen Abläufen untersagt. Auch im Strafgesetz findet sich eine entsprechende Regelung (§ 203), welche es unter Strafe stellt ein fremdes Geheimnis aus der Privatsphäre unbefugt einer anderen Person mitzuteilen.

Sinn der Verschwiegenheitspflicht

Natürlich erfüllt die Schweigepflicht im Job einen bestimmten Zweck, so soll das Arbeitsumfeld geschützt werden. 

  • Schutz der persönlichen Lebensbereiche (Privatsphäre)
  • Schutz vor Diskriminierung 
  • Schutz des Rechtes auf informationelle Selbstbestimmung

Verstoß: Welche Auswirkung hat ein Missachten der Verschwiegenheitspflicht?

Arbeitnehmer der Interna des Arbeitgebers ausplaudert, riskiert einen Rauswurf. Auch ohne spezielle gesetzliche Regelung sind Sie als Arbeitnehmer und auch als Minijobber dazu verpflichtet, Verschwiegenheit zu wahren. 

Verstoß: Kündigung als Folge 

Der Arbeitgeber kann im Fall einer Missachtung der Schweigepflicht zu einer ordentlich fristgemäßen und bei schwerwiegenden Verletzungen auch zu einer außerordentlichen Kündigung des Arbeitsverhältnisses berechtigt sein. 

Die Kündigung kann unter bestimmten Umständen sogar ohne vorherige Abmahnung ausgesprochen werden. Bei finanziellem Schaden aufgrund der vertragswidrigen Missachtung des Arbeitnehmers kann der Arbeitgeber Schadensersatz verlangen. 

Freiheitsstrafe & Geldstrafe bei Verletzung der Verschwiegenheitspflicht

Es kann Ihnen als Arbeitnehmer sogar eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren drohen oder eine Geldstrafe, falls Sie ein Geschäfts- oder Betriebsgeheimnis während der Geltungsdauer Ihres Arbeitsverhältnisses zum Zwecke des Wettbewerbs und zugunsten eines Dritten oder in Absicht Ihrem Arbeitgeber Schaden zuzufügen, weitergeben. Selbst dieser Versuch ist strafbar.

Auch eine Sperrung für die Berufsgruppe in der Sie tätig sind, kann eine weitere Konsequenz sein.

Spezielle Geheimhaltungspflicht für besondere Tätigkeiten im Job

Neben dieser allgemeinen Verschwiegenheitspflicht von Arbeitnehmern gibt es für einige Berufsgruppen eine spezielle Geheimhaltungspflicht beziehungsweise Schweigepflicht. Besonders in Bezug auf Datenverarbeitung gelten in Deutschland bestimmte Datenschutzregeln und Gesetze. 

Falls Sie in Ihrem Minijob mit Daten arbeiten, ist es Ihnen strengstens untersagt, personenbezogene Daten unbefugt zu nutzen, weiterzugeben oder zu erheben. Auch nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses ist es Ihnen untersagt die Daten weiterzugeben.

Berufliche Schweigepflicht: Höchste Verschwiegenheit in einigen Berufsgruppen

Gleich mehrere Berufsfelder sind von der beruflichen Schweigepflicht betroffen: Diese Berufstätigen sind explizit dazu verpflichtet, höchste Verschwiegenheit zu bewahren. Bereits mit Beginn der Berufsausbildung oder während eines Praktikums und Aushilfsjobs müssen die Geheimnisse des Unternehmens, der Mandanten, Kunden, Patienten oder Gläubiger bewahrt werden.

Diese Schweigepflicht kann von keinem Vorgesetzten, Arbeitgeber oder Leiter aufgehoben werden.

 

  • Berufsfelder und Personenkreis der expliziten berufliche Schweigepflicht 
  • Geistliche
  • Kranken- und Altenpfleger
  • Apotheker
  • Zahnärzte
  • Psychotherapeuten
  • Ärzte
  • Mitarbeiter der Rettungsdienste
  • Angestellte im Bereich von Lebens-, Unfall- und Krankenversicherung
  • Steuerberater und Wirtschaftsprüfer
  • Beauftragte für Datenschutz
  • Mitarbeiter staatlich anerkannter Beratungsstellen, etwa Schwangerschaftskonfliktberatungsstellen, Sozialarbeiter und Sozialpädagogen
  • Ehe-, Familien-, Jugend- und Suchtberater

Sämtliche Auszubildende, egal ob Studium oder Ausbildung, die sich auf einen oben genannten Beruf beziehen, müssen ebenfalls die berufliche Schweigepflicht einhalten. Auch während eines Minijobs in diesem Bereich müssen Sie Verschwiegenheit bewahren.

Sonderfälle: Wann ist die Schweigepflicht ungültig?

Auch bei der Schweigepflicht gibt es Sonderfälle, welche eine Verletzung der Geheimbewahrung und Verschwiegenheit erlauben. Nur aufgrund bestimmter Voraussetzungen machen Sie sich nicht strafbar, wenn Sie Ihr Schweigen in Bezug auf berufliche und betriebliche Schweigepflicht brechen.

Gründe für das missachten der Schweigepflicht

  • Gesetzliche Auskunftspflicht, etwa in Krankenhäusern, welche bestimmte Daten von Patienten an die Krankenkasse weiterleiten müssen.
  • Ausdrückliche Erlaubnis des Betroffenen, z. B. des Patienten, mit schriftlichem Nachweis.
  • Stillschweigende oder mutmaßliche Erlaubnis gilt, wenn etwa ein Patient eine Überweisung vom Arzt annimmt. Dadurch willigt der Patient stillschweigend ein, dass seine Patientenakte an den anderen Arzt weitergegeben wird. Das gilt auch, wenn der Patient zum Beispiel nach einem Unfall oder einer Straftat nicht mehr ansprechbar und bewusstlos ist.
  • Rechtfertigender Notstand, etwa wenn (lebensbedrohliche) Gefahr besteht. Diese gilt beispielsweise im Beruf der Sozialarbeit: Wird ein Kind vernachlässigt oder befindet sich in Gefahr, dürfen diese Annahme und Informationen weitergegeben werden. 
  • Planung einer Straftat bedarf Handlung: Kündigt eine Person eine Straftat oder ein Verbrechen an, ist es erlaubt die Schweigepflicht zu brechen. Die Polizei darf in Kenntnis gesetzt werden, ohne dass Sie sich strafbar machen.

Also, seien Sie in Zukunft auf der Hut, was Sie von Ihrer Arbeit im Minijob preisgeben und welche Informationen Sie lieber außen vor lassen sollten. Denn kommt es raus, dass Sie über Berufsgeheimnisse weitergeben oder gar Ihre berufliche Schweigepflicht verletzten, könnte das, ernsthafte Konsequenzen nach sich ziehen.

Wie heißt es so schön: Reden ist Silber, Schweigen ist Gold.