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Überstunden im Minijob – ist das erlaubt?

Lillia Seifert am 11.05.2020
ca. 1109 Worte
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Überstunden im Minijob – ist das erlaubt?
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Inhalt:
  1. Minijob: Wichtige Infos im Überblick
  2. Zwei Beschäftigungsformen: 450-Euro-Minijob oder kurzfristiger Minijob?
  3. Rechte und Bezahlung eines Minijobbers
  4. Überstunden im Minijob – geht das?
    1. Was genau passiert nun bei Minijobbern, die Überstunden leisten?
    2. Können Überstunden ausdrücklich angeordnet werden?
  5. Arbeitszeitkonto im Minijob – eine gute Alternative!
  6. Minijob: Vor- und Nachteile des Arbeitsverhältnisses
    1. Die Vorteile des Minijobs
    2. Die Nachteile des Minijobs

Überstunden im Job sind häufig nicht zu vermeiden. Insbesondere bei Beschäftigungen in Teil- oder Vollzeit müssen Arbeitnehmer manchmal ein paar zusätzliche Stunden zur normalen Arbeitszeit leisten, um den anfallenden Aufgaben nachzukommen. Doch ist das auch im Minijob erlaubt? Wir erklären dir, was du bei der Ausübung eines Minijobs beachten musst, welche Rechte dir zustehen, ob du Überstunden leisten darfst und was du dabei allgemein beachten solltest.

Minijob: Wichtige Infos im Überblick

Der Minijob bietet eine gute Möglichkeit, um beispielsweise neben dem Studium oder der Rente etwas dazuzuverdienen. Die Verdienstobergrenze liegt in allen Nebenjobs bei 450 Euro im Monat. Grundsätzlich braucht es für die Ausübung einer solchen geringfügigen Beschäftigung keine spezielle Ausbildung und sämtliche Sozialabgaben des Arbeitnehmers entfallen. Das ist selbstverständlich auch für den Arbeitgeber von Vorteil.

Allgemein gelten die folgenden Infos für Minijobs in Deutschland:

  • Minijobs sind ein Arbeitsverhältnis mit einer monatlichen Vergütung von max. 450 Euro.
  • Minijobs gibt es insbesondere im Dienstleistungssektor, Einzelhandel und in großen Firmen.
  • 7,5 Millionen Deutsche arbeiten in Minijobs.
  • Der Mindestlohn in liegt bei 9,35 Euro in der Stunde (Stand 2020).

Zwei Beschäftigungsformen: 450-Euro-Minijob oder kurzfristiger Minijob?

Allgemein muss im Zusammenhang mit Minijobs zwischen zwei verschiedenen Arbeitsverhältnissen unterschieden werden. Der klassische Minijob ist eine geringfügig entlohnte Beschäftigung, in der der Arbeitnehmer nicht mehr als 450 Euro im Monat verdienen darf.
Der kurzfristige Minijob hingegen ist auf eine maximale Dauer von drei zusammenhängenden Monaten oder. 70 Arbeitstagen im Kalenderjahr beschränkt. Die Rechte des Arbeitnehmers sind in den beiden Arbeitsverhältnissen jedoch identisch.

Rechte und Bezahlung eines Minijobbers

Arbeitgeber müssen bei der Anstellung von Minijobbern die gleichen Regelungen befolgen wie bei Mitarbeitern in Teil- oder Vollzeit. Falls Festangestellte des Unternehmens beispielsweise Weihnachtsgeld erhalten, dann steht dies den angestellten Minijobbern des Unternehmens gleichermaßen zu. Allerdings richtet sich die Höhe der zusätzlichen Bezahlung nach den abgeleisteten Arbeitsstunden der Mitarbeiter.

Die allgemeine Entlohnung von Minijobbern erfolgt in Deutschland anhand des Mindestlohns. Der Arbeitgeber ist seit dem 1. Januar 2020 gesetzlich dazu verpflichtet, einen Stundenlohn von mindestens 9,35 Euro zu zahlen. Dieser Mindestlohn gilt für alle angestellten Minijobber, die mindestens 18 Jahre alt sind.

Diese Personengruppen haben keinen Anspruch auf den Mindestlohn:

  • Minderjährige, die noch keine abgeschlossene Ausbildung haben, wie insbesondere Schülerinnen und Schüler
  • Auszubildende
  • Ehrenamtliche Mitarbeiter
  • Praktikanten oder Personen, die ein freiwilliges Praktikum von maximal drei Monaten absolviert haben

Überstunden im Minijob – geht das?

Wenn ein Arbeitnehmer zusätzlich zu den vertraglich vorgesehenen Arbeitsstunden tätig ist, dann leistet er Überstunden. Je nach Arbeitsvertrag gelten unterschiedliche Regelungen zur Kompensation dieser Überstunden. So kann ein Arbeitnehmer für seine Überstunden beispielsweise ein paar freie Tage zusätzlich zum Jahresurlaub nehmen. Auch eine Auszahlung der Stunden ist möglich, wenn dies im Vertrag so festgehalten ist.

Was genau passiert nun bei Minijobbern, die Überstunden leisten?

Erst einmal liegt die maximale Verdienstgrenze eines Minijobbers bei 450 Euro. Durch den Mindestlohn von 9,35 Euro entsteht somit eine feste Stundenzahl von 48,13 Stunden pro Monat. Wenn der Minijobber in Folge seiner Überstunden nun dauerhaft mehr als 450 Euro verdient, dann müssen Sozialabgaben gezahlt werden.

Überstunden können von Minijobbern rechtlich nur geleistet werden, wenn „ein gelegentliches und unvorhersehbares Überschreiten“ vorliegt:

  1. Gelegentlich meint in diesem Zusammenhang, dass Überstunden nur in einem zeitlichen Rahmen von bis zu drei Monaten vorkommen. Alles darüber hinaus birgt teure Konsequenzen für den Arbeitgeber. Die Überschreitung der Verdienstobergrenze sollte dabei nicht mehr als das Doppelte des monatlichen Verdienstes bedeuten (max. 900 Euro).
  2. Unvorhersehbar sollte das Ereignis sein, welches den Arbeitgeber dazu verleitet, seinen Minijobber länger arbeiten zu lassen. Dies kann beispielsweise der Fall sein, wenn eine Urlaubsvertretung plötzlich erkrankt oder eine wichtige Arbeitskraft aus anderen Gründen spontan wegfällt. Hier sollten entsprechende Belege, wie eine Krankenbescheinigung, aufbewahrt werden.

Können Überstunden ausdrücklich angeordnet werden?

Wenn keine bestimmte vertragliche Regelung vorliegt, darf ein Arbeitgeber das Ableisten von Überstunden auch von einem Minijobber nicht verlangen. Nur in Ausnahmesituationen, wie Mitarbeitermangel durch Krankheit, können Überstunden angeordnet werden. In anderen Fällen muss die Ankündigung von Überstunden mindestens vier Tage im Voraus geschehen.

Das Leisten von Überstunden ist demnach auch in einem Minijob möglich, wenn die hier genannten Bedingungen erfüllt sind. Grundsätzlich sollte allerdings stets darauf geachtet werden, dass die 450-Euro-Grenze nicht überschritten wird. Da die gesetzlichen Regelungen hier recht streng sind, könnte es andernfalls zu hohen Strafen für den Arbeitgeber kommen.

Arbeitszeitkonto im Minijob – eine gute Alternative!

Durch die Verdienstobergrenze sind Überstunden im Minijob nur schwer abzuleisten. Das Arbeitszeitkonto bietet flexiblere Arbeitszeiten im Monat. So kann der Arbeitgeber den Minijobber je nach Bedarf oder Auftragslage einsetzen. Zu beachten ist hier, dass die Verdienstgrenze von 5.400 Euro im Jahr eingehalten wird. Die zu verrichtenden Arbeitsstunden werden dann nicht monatlich gearbeitet, sondern dürfen in einem Zeitraum von 12 Monaten geleistet werden.

Minijob: Vor- und Nachteile des Arbeitsverhältnisses

Der Minijob ist eine geringfügige Beschäftigungsform, die sowohl für Arbeitnehmer als auch für Arbeitgeber einige Vor- und Nachteile bietet. Du hast selbst noch nicht in einem Minijob gearbeitet und bist nun neugierig geworden? Wir haben die Pro- und Kontra-Argumente für dich aufgelistet, damit du entscheiden kannst, ob das Arbeitsverhältnis für dich infrage kommt.

Die Vorteile des Minijobs

  • Keine Sozialabgaben: Arbeitgeber zahlen geringere Abgaben für die Kranken- und Sozialversicherung eines Minijobbers, da die Sozialabgaben vollständig vom Staat getragen werden.
  • Keine Steuerabgaben: Auch die Steuern entfallen, wenn der Minijobber keine andere Einkommensquelle, abgesehen vom 450-Euro-Job, hat.
  • Bezahlter Urlaub und Krankheit: Minijobber haben die gleichen Arbeitsrechte wie Angestellte in Teil- oder Vollzeit. Das bedeutet, dass Sie die gleichen Rechte in Bezug auf die Bezahlung während des Urlaubs, im Mutterschutz oder im Falle einer Krankheit haben.

Die Nachteile des Minijobs

  • Kein Karrieresprungbrett: Leider ist es eher unwahrscheinlich, dass sich aus einem Minijob ein wirklicher Karriereschritt ergibt. Aufgrund der erhöhten Kosten durch Sozialabgaben usw. scheuen sich viele Arbeitgeber einen Minijobber fest anzustellen. Minijobs werden im Vergleich zu einem bezahlten Praktikum folglich eher selten zu einem Karrieresprungbrett.
  • Geringere Bezahlung: Abgesehen von den 450 Euro im Monat, erhalten Minijobber meist eine deutlich geringere Entlohnung im Vergleich zu Angestellten anderer Arbeitsverhältnisse.
  • Arbeitslosigkeit: Wenn eine Person lediglich einen Minijob ausübt, dann gilt sie als arbeitslos, da sie keiner Hauptbeschäftigung nachgeht. Politiker werten Minijobber allerdings häufig als Angestellte, was die Statistiken in Bezug auf Arbeitslosigkeit in Deutschland verfälscht.

Falls du bereits in einem Minijob tätig bist oder eine Beschäftigung auf 450-Euro-Basis anstrebst, solltest du deine Rechte kennen! Der Minijob ist eine geringfügige Beschäftigungsform, in der nicht mehr als 450 Euro im Monat verdient werden dürfen. Das Arbeitsverhältnis befreit den Arbeitgeber von der Sozialversicherungspflicht des Angestellten und der Arbeitnehmer hat dabei die gleichen Arbeitsrechte in Bezug auf Urlaub, Krankheit, Mutterschutz usw., wie Beschäftigte in Teil- oder Vollzeit. Daher sind auch Überstunden im Minijob möglich, insofern es sich um gelegentliches und unvorhersehbares Überschreiten der Arbeitszeit handelt. Alternativ kann ein Arbeitszeitkonto im Minijob eingesetzt werden, um flexiblere Arbeitszeiten zu ermöglichen.