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Private Pflege von Angehörigen – Minijob oder Ehrenamt?

Private Pflege von Angehörigen – Minijob oder Ehrenamt?
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Anne Maria Kilzer am 09.11.2017

Pflegt eine Privatperson eine Person aus dem näheren Umfeld, zum Beispiel einen Nachbarn, Freund oder Angehörigen in dessen privaten Haushalt, ist diese Privatperson eine Pflegeperson. Hierbei kann es sich zum einen um eine ehrenamtliche Pflegeperson als auch um eine erwerbsmäßige Pflegeperson handeln. Ehrenamtliche Pflegepersonen erhalten als Anerkennung zum Beispiel das Pflegegeld des Pflegebedürftigen. Dieses gilt nicht als Verdienst und ist somit auch nicht beitragspflichtig.

Pflegeperson als Minijob

Wenn die Pflegeperson kein Familienangehöriger ist und des Weiteren eine höhere finanzielle Entschädigung als das Pflegegeld bekommt, geht diese Person einer beitragspflichtigen Beschäftigung nach, die gemeldet werden muss. Die Pflege einer anderen Person ist in diesem Fall erwerbsmäßig.

Bestimmt der pflegebedürftige zum Beispiel die Arbeitszeit und die Art der Pflege, handelt es sich um eine abhängige Beschäftigung. In diesem fall muss der Pflegebedürftige die Beschäftigung der Minijob-Zentrale melden. Die Pflegeperson geht dann einer geringfügigen Beschäftigung im privaten Hauhalt nach.

Die Pflegetätigkeit kann aber auch als selbstständige Tätigkeit ausgeübt werden. Dann schreibt der Selbstständige Rechnungen an den Pflegebedürftigen, die dieser für die Leistung der Pflegekraft begleichen muss.

Pflege-Beispiele:

1. Ein Pflegebedürftiger erhält Pflegegeld für die Pflegestufe 2. Ein Freund des Pflegebedürftigen übernimmt die Pflege und erhält dafür sowohl das Pflegegeld des Pflegebedürftigen als auch noch weitere 150 Euro pro Monat. Außerdem gibt der pflegebedürftige seinem Freund vor, wann und wie oft er zur Pflege erscheinen soll.
In diesem Fall agiert der Pflegebedürftige als Arbeitgeber und muss die Pflegeperson bei der Minijob-Zentrale anmelden Er gibt seinem Freund nicht nur das Pflegegeld, sondern zahlt ihm weitere 150 Euro. Ausserdem gibt er die Arbeitszeiten vor. 

2. Eine Pflegebedürftige erhält ebenfalls Pflegegeld für die Pflegestufe 2. Auch sie hat eine Freundin, die sich um sie kümmern möchte und gibt ihr für die Pflege, die sie an ihr verrichtet, 
das volle Pflegegeld, dass sie von der Pflegeversicherung erhält.
Hier besteht keine Meldepflicht, denn die Pflegebedürftige gibt ihrer Freundin als Anerkennung für ihre Hilfe lediglich das Pflegegeld weiter, nicht aber mehr.

Ehrenamtlicher Pfleger: versichert oder nicht?

Ist die Pflegeperson ein Nachbar oder Familienangehöriger und erhält als Entschädigung das Pflegegeld des Pflegebedürftigen, stellt sich die Frage nach dessen Unfall- und Rentenversicherung, als auch nach der Arbeitslosenversicherung, denn gesetzlich ist sie ja kein Arbeitnehmer.

Fest steht: Ehrenamtliche Pflegepersonen sind immer gesetzlich unfallversichert.

Rentenversicherungsbeiträge werden von der Pflegeversicherung allerdings nur übernommen, wenn die Pflegeperson mindestens einen Pflegebedürftigen mit dem Mindestpflegegrad 2 pflegt und das an wenigstens 10 Stunden pro Woche, die auf zwei regelmäßige Werktage verteilt sind. Neben dieser Tätigkeit darf die ehrenamtliche Pflegeperson höchstens 30 Stunden pro Woche angestellt oder selbstständig tätig sein.