© Uber Images / shutterstock.com

Noch Minijob oder schon Midijob? – Was Sie über Ihren Nebenjob wissen sollten!

Theresa Müller am 30.03.2020
ca. 1198 Worte
ungefähre Lesezeit 4 Minuten 21 Sekunden
Noch Minijob oder schon Midijob? – Was Sie über Ihren Nebenjob wissen sollten!
© ImageFlow | shutterstock.com
Inhalt:
  1. Wann ist ein Nebenjob ein Minijob?
  2. Was passiert, wenn man im Minijob die 450-Euro-Grenze überschreitet?
    1. Wann ist ein Nebenjob ein Midijob?
  3. Was sind die Unterschiede zwischen Mini- und Midijob?
    1. Unterschied 1: Sozialversicherung
    2. Unterschied 2: Lohnsteuer
  4. Darf man einen Minijob und einen Midijob gleichzeitig ausführen?
  5. Lohnt sich ein Midijob?

Die Regelung ist eigentlich klar: Bei Ihrem Minijob dürfen Sie jeden Monat so viel arbeiten, bis die Grenze von 450 Euro erreicht ist. Doch in der Praxis ist es nicht immer so einfach, das einzuhalten. Manchmal müssen einfach Überstunden gemacht werden. Aber was bedeutet das für Ihren Nebenjob? Was passiert, wenn die Grenze von 450 Euro im Monat überschritten wird? Immer wieder fällt in diesem Zusammenhang der Begriff Midijob. Was ist das eigentlich? Wir klären auf!

Wann ist ein Nebenjob ein Minijob?

Ein Minijob wird auch 450-Euro-Job oder geringfügige Beschäftigung genannt. Diese Bezeichnung kommt daher, weil in einem Minijob maximal 450 Euro im Monat verdient werden darf. Es ist nicht entscheidend, wie hoch der Stundenlohn ist. Je höher dieser liegt, desto weniger Stunden darf der Arbeitnehmer im Monat arbeiten. Für die Unternehmen wäre es theoretisch also besser, wenn sie den Stundenlohn sehr niedrig ansetzen – dann kann der Minijobber schließlich mehr Stunden für das Unternehmen arbeiten

Theoretisch stimmt das, allerdings gilt auch im Minijob der gesetzliche Mindestlohn. Dieser liegt seit Januar 2020 bei 9,35 Euro pro Stunde. Das bedeutet, dass man im Minijob maximal 48 Stunden im Monat arbeiten darf, sonst würde man die 450-Euro-Grenze überschreiten.

Die Einnahmen aus dem Minijob sind übrigens weitgehend für den Arbeitnehmer steuer- und sozialversicherungsfrei. Allein für die Rentenversicherung müssen geringe Beiträge bezahlt werden. Es ist aber möglich, sich von dieser Regelung zu befreien. Dann zahlen Sie keine Beiträge.

Was passiert, wenn man im Minijob die 450-Euro-Grenze überschreitet?

Wenn Sie ausnahmsweise in einem Monat die 450-Euro-Grenze bei Ihrem Minijob überschreiten, dann passiert erstmal nichts. Denn es zählt der Blick auf das gesamte Jahr. Hier dürfen Sie maximal 5400 Euro in Ihrem Minijob verdienen, also zwölf Mal 450 Euro. Es ist aber möglich, dass Sie beispielsweise im Monat Januar mehr als 450 Euro verdienen und dafür im Monat Februar deutlich darunter. So gleicht sich die Menge aus und am Ende des Jahres überschreiten Sie nicht die 5400-Euro-Grenze.

Aber diese Überschreitung der Grenze muss die Ausnahme bleiben. Es gilt, dass Sie in einem Jahr maximal drei Mal über 450 Euro im Monat liegen dürfen. Ansonsten ist es möglich, dass Ihr Job den Minijob-Status verliert.

Wann ist ein Nebenjob ein Midijob?

Sobald Sie regelmäßig – also mehr als drei Monate im Jahr – über 450 Euro verdienen verliert Ihr Job also den Status als Minijob. Lange galt: Wenn Ihr durchschnittlicher Verdienst aber zwischen 450,01 Euro und 850 Euro im Monat liegt, dann handelt es sich bei Ihrem Nebenjob um einen Midijob. Seit Januar 2019 wurde diese Regelung ausgeweitet: Nun gilt eine Spanne zwischen 450,01 Euro und 1300 Euro für den Midijob. Verdienen Sie noch mehr, dann gelten die normalen Bestimmungen für eine Teilzeitstelle. Ein Midijob liegt also wirklich, wie der Name es ja auch vermuten lässt, zwischen einem Minijob und einer Teilzeitstelle.

Wie auch beim Minijob ist es auch beim Midijob nicht entscheidend, wie viele Stunden Sie pro Woche arbeiten. Es kommt darauf an, dass Sie die Verdienstgrenze von 1300 Euro im Jahr nicht überschreiten. Also gilt auch hier: Je höher Ihr Stundenlohn ist, desto weniger Stunden im Monat dürfen Sie arbeiten. Ihr Stundenlohn muss wieder mindestens dem gesetzlichen Mindestlohn entsprechen – also 9,35 Euro pro Stunde. Das bedeutet, dass Sie maximal 141 Stunden im Monat also 35 Stunden in der Woche arbeiten dürfen. In der Realität liegt der Stundenlohn bei einem Midijob aber oft über dem Mindestlohn. Es ist also wahrscheinlicher, dass Sie weniger Arbeitsstunden in der Woche leisten müssen, um die 1300-Euro-Grenze zu erreichen.

Was sind die Unterschiede zwischen Mini- und Midijob?

Minijob: Bis maximal 450 Euro; Midijob: Zwischen 450,01 Euro und 1300 Euro. Diese unterschiedlichen Verdienstgrenzen ist der offensichtlichste Unterschied zwischen Mini- und Midijob. Aber es gibt noch weitere:

Unterschied 1: Sozialversicherung

Beim Minijob muss der Arbeitnehmer weitgehend keine Beiträge für die Sozialversicherung, also zum Beispiel die Krankenkasse, zahlen. Ausnahme ist, wie bereits erwähnt, die Rentenversicherung mit einem Beitrag in Höhe von 3,6 Prozent, von der man sich aber befreien lassen kann. Alle anderen Abgaben zahlt der Arbeitgeber. Höchstens sind das 31,5 Prozent.

Das ist in einem Midijob anders. Hier bezahlt nicht nur der Arbeitgeber die Sozialabgaben, sondern sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer. Der Arbeitnehmeranteil liegt ungefähr bei knapp 20 Prozent. Bei einem Midijob muss der Arbeitgeber also weniger Abgaben leisten als bei einem Minijob. Das mag auf den ersten Blick wie ein Nachteil eines Midijobs klingen, auf der anderen Seite kann der Midijobber von allen Leistungen in der Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung profitieren. Außerdem sind die Beiträge oft niedriger als bei einer Teilzeitstelle.

Unterschied 2: Lohnsteuer

Wer einen Minijob ausübt, muss keine Lohnsteuern zahlen. Das bedeutet, dass bei einem Minijob brutto oft gleich netto ist. Auch das ist bei einem Midijob nicht unbedingt so. Es kommt auf die Steuerklasse an, ob Steuern gezahlt werden müssen.

  • Wer sich in den Steuerklassen 1 bis 4 befindet, muss keine Lohnsteuer zahlen.
  • Wer sich in Steuerklasse 5 befindet, muss Steuern zahlen. Diese Steuerklasse ist nur für Ehepaare in Kombination mit Steuerklasse 3 möglich.
  • Wer sich in Steuerklasse 6 befindet, muss Lohnsteuer zahlen, denn der Midijob wird als Tätigkeit neben dem Hauptberuf versteuert.

Darf man einen Minijob und einen Midijob gleichzeitig ausführen?

Es ist möglich, einen Minijob und einen Midijob miteinander zu kombinieren. In Deutschland gilt das Prinzip der freien Berufsausübung. Es steht nicht nur frei, welche Berufe man kombiniert, sondern auch, ob man einen Vollzeitjob mit einem Minijob oder eben auch Minijob mit Midijob kombiniert. Man muss sich aber zum Beispiel an die Vorgaben des Arbeitszeitgesetztes halten. Dieses schreibt unter anderem vor, dass die gesetzlich festgelegte Höchstarbeitszeit nicht überschritten werden darf. Die tägliche Maximalarbeitszeit liegt bei acht Stunden am Tag, in der Woche bei 48 Stunden, da Samstag ebenfalls als Werktag gilt.

Was Steuern und Sozialabgaben betrifft, gibt es eine einfache Regel: Wenn man mehrere Nebenjobs ausübt und man bleibt insgesamt unter 450 Euro, dann sind alle steuer- und sozialabgabefrei. Überschreitet man die Grenze von 450 Euro, dann greift für alle Nebenjobs die Beitragspflicht.

Lohnt sich ein Midijob?

Insgesamt lohnt sich ein Midijob auf jeden Fall! Der Arbeitnehmer profitiert, da er deutlich mehr Geld verdienen darf als bei einem Minijob. Auch der Arbeitgeber genießt Vorteile, denn er muss prozentual gesehen weniger Beiträge für die Sozialversicherung seines Mitarbeiters bezahlen. Auch dass Arbeitnehmer bei dem Midijob Sozialabgaben bezahlen müssen, ist nicht unbedingt als Nachteil zu sehen. Denn sie erhalten für geringere Beiträge einen vollen Sozialversicherungsschutz.

Aufpassen müssen allerdings Studenten. Wer zum Beispiel Bafög erhält, muss darauf achten, dass er den Freibetrag nicht überschreitet. Der zu hohe Betrag wird sonst von dem Bafög abgezogen. Viele Studenten sind auch noch familienversichert. Dann zahlen sie zwar keine Beiträge im Monat für ihre Krankenkasse, müssen aber auch aufpassen, dass sie nicht zu viel verdienen. Sonst fallen sie aus der Familienversicherung raus und müssen sich selbst versichern. Dann fallen Beiträge an. Wenn man dies als Student nicht möchte, dann ist der Minijob die bessere Wahl. Wer damit allerdings kein Problem hat, hat durch den Midijob die Möglichkeit mehr Geld zu verdienen.

Oft fallen auch Werkstudentenstellen in den Bereich des Midijobs. In diesen Jobs kann man in der Regel fachlich anspruchsvollere Aufgaben übernehmen als bei einem Aushilfsjob. Jeder muss also für sich selbst entscheiden, ob ein Mini- oder ein Midijob besser zu ihm passt.