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Nebengewerbe anmelden: Das müssen Sie beachten!

Theresa Müller am 15.03.2020
ca. 1250 Worte
ungefähre Lesezeit 4 Minuten 32 Sekunden
Nebengewerbe anmelden: Das müssen Sie beachten!
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Inhalt:
  1. Was ist ein Nebengewerbe?
  2. Wann muss ein Gewerbe angemeldet werden?
    1. Wann muss kein Gewerbe angemeldet werden?
  3. Wie funktioniert die Gewerbeanmeldung?
    1. Schritt 1: Zuständiges Amt ermitteln
    2. Schritt 2: Formulare ausfüllen
    3. Schritt 3: Termin im Ordnungs- oder Gewerbeamt machen
    4. Schritt 4: Erhalt des Gewerbescheins
  4. Nebengewerbe anmelden: Was sind die Besonderheiten?
    1. Punkt 1: Arbeitgeber informieren
    2. Punkt 2: Verdienstgrenzen beachten
    3. Punkt 3: Krankenkasse
    4. Punkt 4: Finanzamt
  5. Nebengewerbe: Was ist die Kleinunternehmerregelung?

Möchten Sie sich auch gerne etwas dazuverdienen? Aber Sie möchten nicht die Verpflichtung eingehen, von einem Arbeitgeber abhängig zu sein? Damit sind Sie nicht alleine! Viele wünschen sich einen Nebenjob, bei dem sie sich die Zeit völlig frei einteilen können. Einige passen zum Beispiel auf die Kinder von Bekannten auf, geben Nachhilfe oder gehen mit Hunden aus der Nachbarschaft Gassi. Dafür gibt es einen kleinen Geldbetrag einfach bar auf die Hand. Klingt super! Doch ganz so einfach ist es leider nicht. Denn für diesen kleinen Nebenverdienst müssten Sie eigentlich bereits ein Nebengewerbe anmelden. Wir klären auf, ab wann diese Anmeldung Pflicht ist und worauf Sie dabei achten müssen.

Was ist ein Nebengewerbe?

Mit einem Nebengewerbe ist ein beim Gewerbe- oder Ordnungsamt angemeldetes Gewerbe gemeint, das nicht in Vollzeit oder hauptberuflich ausgeübt wird. Erlaubt ist, dass der Gewerbetreibende maximal bis zu 20 Arbeitsstunden pro Woche für das Gewerbe arbeitet. Ansonsten handelt es sich nicht mehr um ein Nebengewerbe, sondern um ein Hauptgewerbe. Es ist übrigens möglich, ein Nebengewerbe in jeder Rechtsform zu gründen, die es in Deutschland gibt.

Wann muss ein Gewerbe angemeldet werden?

In der Regel muss ein Gewerbe bei Aufnahme jeder gewerblichen Tätigkeit angemeldet werden. Diese liegt vor, wenn folgende Kriterien zutreffen:

  • Die Tätigkeit wird in eigener Verantwortung ausgeführt. Man ist nicht mit der Tätigkeit angestellt.
  • Die Tätigkeit wird regelmäßig ausgeführt und man hat Interesse sie langfristig auszuführen.
  • Die Tätigkeit zielt auf Gewinnerzielung ab.

Das bedeutet, dass Sie auch schon ein Gewerbe anmelden müssen, wenn Sie jede Woche Nachhilfe geben oder mit mehreren Hunden aus der Nachbarschaft Gassi gehen. Voraussetzung: Sie verdienen damit Geld. Ob Sie die Tätigkeit in Vollzeit oder nebenberuflich ausführen, spielt keine Rolle.

Wann muss kein Gewerbe angemeldet werden?

Wenn Tätigkeiten nur einmalig ausgeführt werden, ist eine Gewerbeanmeldung nicht notwendig. Dies ist der Fall, wenn Sie zum Beispiel einmalig die Blumen Ihrer Nachbarn gießen, weil diese im Urlaub sind. Auch wenn Sie dafür Geld erhalten.

Es gibt aber auch Tätigkeiten, bei denen die Gewerbeanmeldung nicht notwenig ist – auch wenn Sie diese regelmäßig ausführen. Dabei handelt es sich um freiberufliche Tätigkeiten. Dazu zählen wissenschaftliche, künstlerische, erziehende, unterrichtende sowie schriftstellerische Tätigkeiten. Außerdem die Berufe der Ärzte, Anwälte, Ingenieure, Steuerberater und ähnliches. Freiberufler müssen nicht nur kein Gewerbe anmelden, sie zahlen auch keine Gewerbesteuer und müssen keine doppelte Buchführung durchführen. Eine Einnahmenüberschussrechnung reicht aus.

Wie funktioniert die Gewerbeanmeldung?

Eine Gewerbeanmeldung ist zum Glück nicht schwer und geht in der Regel schnell. Man geht folgendermaßen vor:

Schritt 1: Zuständiges Amt ermitteln

Wer zuständig für eine Gewerbeanmeldung ist, ist in Deutschland unterschiedlich. Oft ist es das örtliche Ordnungs- oder Gewerbeamt. In der Regel findet man Informationen dazu auf der Webseite oder man kann telefonisch erfragen, an welches Amt man sich wenden kann.

Schritt 2: Formulare ausfüllen

Auf der Webseite des zuständigen Ordnungs- oder Gewerbeamts kann man sich in der Regel die für eine Gewerbeanmeldung benötigten Formulare herunterladen. Diese druckt man aus und füllt sie – meistens per Hand – aus.

Schritt 3: Termin im Ordnungs- oder Gewerbeamt machen

Wenn die Formulare ausgefüllt sind, müssen sie im Ordnungs- oder Gewerbeamt vorgelegt werden. Denn eine Anmeldung eines Gewerbes ist nur persönlich möglich. Dafür vereinbart man bestenfalls einen Termin beim Amt. Vergessen Sie nicht, die Formulare vollständig zu dem Termin mitzubringen. Außerdem benötigen Sie Ihren Personalausweis oder Reisepass für die Anmeldung.

Je nach Art des Gewerbes kann es notwendig sein, dass man einen Nachweis über bestimmte Qualifikationen mitbringt. Zum Beispiel kann man nur einen Meisterbetrieb im Handwerk eröffnen, wenn man auch in dem Bereich qualifizierter Handwerker ist – also eine Ausbildung und die Weiterbildung zum Meister erfolgreich abgeschlossen hat. Die Mitarbeiter im Ordnungs- oder Gewerbeamt informieren aber auch, welche Dokumente bei jedem individuellen Fall benötigt werden. Für die Anmeldung muss man mit Kosten zwischen 15 und 65 Euro rechnen.

Schritt 4: Erhalt des Gewerbescheins

Liegen alle Dokumente vor, stimmt das Ordnungs- oder Gewerbeamt der Anmeldung zu oder lehnt sie ab. Der Gewerbetreibende erhält bei Zustimmung einen Gewerbeschein und darf nun sein Gewerbe ausführen. Je nachdem welche Rechtsform ausgewählt wird, wird man bei handwerklichen und industriellen Berufen Mitglied in der Handwerks- oder der Industrie- und Handelskammer.

Nebengewerbe anmelden: Was sind die Besonderheiten?

Ein Nebengewerbe wird eigentlich genauso wie ein Hauptgewerbe angemeldet. Allerdings unterscheidet es sich in einigen Punkten vom Hauptgewerbe:

Punkt 1: Arbeitgeber informieren

Wenn Sie angestellt sind und zusätzlich ein Nebengewerbe anmelden wollen, benötigen Sie dafür die Erlaubnis Ihres Arbeitgebers. Dieser darf Ihnen unter Umständen ein Nebengewerbe verbieten. Zum Beispiel, weil Sie aufgrund Ihres Nebengewerbes Ihrer Angestelltentätigkeit nicht mehr ausreichend nachkommen würden oder weil Sie für die Konkurrenz arbeiten.

Punkt 2: Verdienstgrenzen beachten

In einem Nebengewerbe dürfen Sie eigentlich so viel verdienen, wie Sie wollen. Wenn Sie allerdings noch anderweitig beschäftigt sind oder Arbeitslosengeld beziehen, gibt es einige Schranken. Wenn Sie diese nicht einhalten, kann es passieren, dass Ihr Nebengewerbe in ein Hauptgewerbe eingestuft wird oder Sie auf das Arbeitslosengeld verzichten müssen. Folgendes gilt:

  • Sie sind Angestellter: Ihr Verdienst aus dem Nebengewerbe darf nicht höher liegen als Ihr Gehalt Ihrer Haupttätigkeit. Ansonsten wird dieses als Hauptgewerbe eingestuft.
  • Sie erhalten Arbeitslosengeld I: Sie dürfen maximal 165 Euro im Monat mit Ihrem Nebengewerbe verdienen. Ansonsten gelten Sie nicht mehr als arbeitslos und erhalten kein Arbeitslosengeld mehr.
  • Wer Arbeitslosengeld bezieht, darf sogar nur 15 statt den sonst erlaubten 20 Stunden pro Woche für sein Nebengewerbe arbeiten.
  • Sie sind Student und erhalten BAföG: Sie dürfen maximal 400 Euro im Monat mit Ihrem Nebengewerbe verdienen.

Punkt 3: Krankenkasse

Wenn Sie ein Hauptgewerbe anmelden, müssen Sie sich als Selbstständiger auch selbst bei der Krankenkasse versichern. Das müssen Sie bei einem Nebengewerbe in der Regel nicht, denn Sie sind ja bereits über Ihren Arbeitgeber oder über Sozialleistungen krankenversichert. Hierbei ist es aber wichtig, dass Sie wöchentlich nicht mehr als 20 Stunden für Ihr Nebengewerbe arbeiten. Ansonsten kann es passieren, dass die Krankenkasse Sie anders einstuft und Sie sich selbst versichern müssen. Dies ist in der Regel teurer.

Punkt 4: Finanzamt

Auch das Finanzamt interessiert sich für Ihr Nebengewerbe. Es gibt keinen steuerfreien Betrag bei einem Nebengewerbe. Das bedeutet, dass Sie verpflichtet sind, alle Einnahmen aus Ihrer Nebentätigkeit in der Steuererklärung anzugeben. Ob dann tatsächlich Steuern gezahlt werden müssen, hängt von der Höhe der Einnahmen ab, denn bei den drei wichtigsten Steuerarten für Inhaber von Haupt- und Nebengewerbe (Einkommenssteuer, Gewerbesteuer und Umsatzsteuer) gibt es Steuerfreibeträge. Das bedeutet, dass man, wenn man weniger als diese festgelegte Summe verdient, keine Steuern zahlen muss.

Bei der Einkommenssteuer, die wie der Name schon sagt das Einkommen besteuert, liegt der Grundfreibetrag bei 8.600 Euro pro Jahr. Wer ein Gewerbe angemeldet hat, zahlt in der Regel Gewerbesteuer. Diese wird ab einem Ertrag von 24.500 Euro im Jahr fällig. Die Umsatzsteuer muss ein Gewerbe ab einem Umsatz von 22.000 Euro im Jahr bezahlen.

Nebengewerbe: Was ist die Kleinunternehmerregelung?

Die Kleinunternehmerregelung befreit ein Unternehmen von der Umsatzsteuer, sodass diese auf Rechnungen nicht mehr ausgewiesen werden muss. Allerdings geht das nicht einfach so – eine Beantragung und Anerkennung durch das Finanzamt ist notwendig. Voraussetzungen dafür, dass man die Kleinunternehmerregelung anwenden kann, sind:

  • Im Vorjahr nicht mehr als 22.000 Euro Umsatz erzielt.
  • Im laufenden Jahr nicht mehr als 50.000 Euro Umsatz erzielt.

Die Regelung anzuwenden, ist komplett freiwillig. Wer sich für die Kleinunternehmerregelung entscheidet, vereinfacht seine Buchhaltung. Denn bis zum Erreichen eines bestimmten Umsatzes müssen keine Belastungen für das Erstellen von Umsatzsteuererklärungen aufgebracht werden. Das ist vorteilhaft für Gründer von Start-ups, die sich auf die Entwicklung ihres Geschäfts konzentrieren können, aber auch für die Inhaber eines Nebengewerbes, die eh nicht beabsichtigen, mehr als einen kleinen Nebenverdienst mit ihrem Nebengewerbe zu erwirtschaften.