© Uber Images / shutterstock.com

Minijob-Arbeitsvertrag: Muster und Vorlage für geringfügig Beschäftigte

Lillia Seifert am 22.12.2020
ca. 1246 Worte
ungefähre Lesezeit 4 Minuten 31 Sekunden
Minijob-Arbeitsvertrag: Muster und Vorlage für geringfügig Beschäftigte
© Andrei_R | shutterstock.com
Inhalt:
  1. Was ist ein Minijob?
  2. Minijob-Arbeitsvertrag: Fünf Fakten zum Arbeitsrecht
    1. Fakt 1: Maximale Verdienstgrenze
    2. Fakt 2: Gesetzlicher Mindestlohn
    3. Fakt 3: Flexible Arbeitszeit und -leistung
    4. Fakt 4: Rechtliche Absicherung
    5. Fakt 5: Gesetzliche Kündigungsfrist
  3. Muster für gewerblichen Minijob-Arbeitsvertrag

Sie möchten eine neue Arbeitskraft in Ihrem Betrieb einstellen, die flexibel überall dort, wo mehr Arbeit anfällt, mit anpackt? Dann ist ein Minijobber vermutlich genau das Richtige für Sie. Doch auch bei einer geringfügig entlohnten Beschäftigung muss ein Arbeitsvertrag her, der alle notwendigen Rechte und Pflichten zu Ihrer und der Absicherung des Arbeitnehmers aufführt. Im Folgenden finden Sie die wichtigsten Fakten rund um das Arbeitsmodell auf 450-Euro-Basis sowie ein kostenloses Muster für einen Arbeitsvertrag, den Sie perfekt als Vorlage nutzen können.  

Was ist ein Minijob?

Der Minijob ist ein Beschäftigungsmodell, in dem ein Arbeitnehmer meist auf Stundenbasis eine geringfügige Beschäftigung ausführt. Das heißt, dass er eine Verdienstgrenze von 450 Euro im Monat hat – unabhängig vom Stundenlohn oder der Anzahl geleisteter Arbeitsstunden.

Er kann seine Tätigkeit entweder im privaten Sektor als Haushaltshilfe oder zur Unterstützung in der Erziehung der Kinder oder im Gewerbe wie etwa in der Gastronomie ausführen. Hier gelten unterschiedliche Richtlinien und es fallen jeweils bestimmte Pauschalbeiträge für den Arbeitgeber an. Grundsätzlich gibt es zwei verschiedene Arten von Minijobs:

  • Geringfügig entlohnte Beschäftigung
    Dies ist der übliche 450-Euro-Minijob, bei dem die gesetzliche Arbeitsentgeltgrenze von 450 Euro monatlich nicht überschritten wird. Die Arbeitszeit und die Anzahl der wöchentlichen oder monatlichen Arbeitsstunde sind irrelevant.
  • Kurzfristige Beschäftigung
    Das Arbeitsverhältnis ist auf maximal drei Monate oder 70 Arbeitstage pro Kalenderjahr beschränkt. Dabei spielt die Höhe des Verdienstes keine Rolle.

Der Arbeitgeber ist verpflichtet, jeden für sich arbeitenden Minijobber vorab bei der Minijob-Zentrale anzumelden. Ebenso ist die Übermittlung aller wichtigen Informationen zur Arbeitskraft und Beschäftigung an die Sozialversicherung notwendig.

Minijob-Arbeitsvertrag: Fünf Fakten zum Arbeitsrecht

Der Minijob ist ein beliebtes Arbeitsmodell, welches ebenso einen Arbeitsvertrag meist auf Stundenbasis verlangt. Um den gewerblichen Vertrag für eine geringfügig entlohnte Beschäftigung gründlich und unmissverständlich aufzusetzen, sollten Sie sich die im Folgenden aufgeführten Rechte und Pflichten im Zusammenhang mit der Tätigkeit auf 450-Euro-Basis einmal genauer anschauen.

Fakt 1: Maximale Verdienstgrenze

Der Arbeitsvertrag für einen Minijob ist meist auf Stundenbasis ausgerichtet. Dabei greift die Entgeltgrenze von 450 Euro im Monat. Dabei gibt es keinerlei Beschränkungen, was die Arbeitszeit pro Woche betrifft, sodass Sie vom Arbeitgeber selbst festgelegt werden kann, insofern ein entsprechendes jährliches Gehalt von 5.400 Euro nicht überschritten wird.

Fakt 2: Gesetzlicher Mindestlohn

Seit dem 1. Januar 2020 liegt der gesetzliche Mindestlohn auch für Minijobber bei 9,35 Euro. Ein Anstieg dieses Betrags ist weiterhin zu erwarten. Arbeitgeber können den Lohn selbstverständlich vertraglich erhöhen, allerdings reduziert sich dann automatisch die monatliche Stundenzahl, damit die Verdienstgrenze nicht zu überschritten wird.

Fakt 3: Flexible Arbeitszeit und -leistung

Ist die Arbeitszeit durch den Arbeitgeber nicht vorgegeben, greift die gesetzlich festgelegte wöchentliche Arbeitszeit von mindestens zehn Stunden. Die Gesetzeslage schreibt für geringfügig Beschäftige eine Arbeitsleistung vor, die sich nach dem tatsächlichen Arbeitsanfall der Firma richtet. Die Leistung wird entsprechend der im Arbeitsvertrag festgehaltenen Stundenbasis entlohnt.  

Fakt 4: Rechtliche Absicherung

Die geringfügige Beschäftigung ist zwar das im Durchschnitt womöglich am schlechtesten bezahlte Arbeitsmodell, allerdings birgt es einen besonderen Vorteil. Minijobber haben nämlich ganz genau die gleichen Rechte und Ansprüche wie Beschäftige in Vollzeit.
Das bedeutet, dass sie sogar die Leistungen der gesetzlichen Rentenversicherung beanspruchen können und daneben ebenso das Recht auf bezahlte Urlaubs- und Krankheitstage haben. Allerdings sind geringfügig Beschäftigte nicht über den Arbeitgeber kranken- und pflegeversichert.

Fakt 5: Gesetzliche Kündigungsfrist

Die gesetzliche Kündigungsfrist bei Minijobbern beträgt grundsätzlich vier Wochen zum 15. oder zum Ende eines Kalendermonats. Jedoch kann das Arbeitsverhältnis zwischen einer Firma und einem Arbeitnehmer auf 450-Euro-Basis durch den Arbeitgeber fristlos gekündigt werden. Dazu bedarf es allerdings eines triftigen Grundes, wie etwa:

  • Beleidigung
  • Bestechung
  • Diebstahl
  • Mobbing  
  • Verletzung des Verschwiegenheitspflicht
  • Vortäuschen einer Krankheit

Muster für gewerblichen Minijob-Arbeitsvertrag

Im vorigen Abschnitt wurden die wichtigsten arbeitsrechtlichen Grundlagen des Minijobs bereits aufgegriffen. Hier finden Sie nun die Vorlage für einen Arbeitsvertrag für geringfügig Beschäftigte, die alle grundlegenden Inhalte enthält. Das Formular ist für einen Minijob im gewerblichen Bereich vorgesehen, kann allerdings auch auf einen 450-Euro-Job im Privathaushalt angepasst werden.


Arbeitsvertrag für geringfügig entlohnte Beschäftigte
Zwischen:
________________________________
(Firmenname und Adresse des Arbeitgebers)
und 
Herrn/Frau ________________________________
wohnhaft in ___________________________________
– dem/der Arbeitnehmer/in –

wird folgender Arbeitsvertrag geschlossen:

§ 1 Beginn des Arbeitsverhältnisses
Das Arbeitsverhältnis beginnt am ________________________ und ist unbefristet.

§ 2 Tätigkeit
(1) Der Arbeitnehmer wird als ____________________ eingestellt und vor allem mit folgenden Arbeiten beschäftigt: ____________________________________.
(2) Der Arbeitgeber kann den dem Arbeitnehmer zugewiesenen Aufgabenbereich je nach den geschäftlichen Erfordernissen durch zumutbare Aufgaben ergänzen/ändern. Der Anspruch des Arbeitnehmers auf die Vergütung bleibt hiervon unberührt.

§ 3 Arbeitszeit
Die regelmäßige Arbeitszeit beträgt ______ Stunden im Monat. Die zeitliche Verteilung der Arbeitsstunden sowie der tägliche Arbeitsbeginn richten sich nach der betrieblichen Einteilung.

§ 4 Vergütung
(1) Der Arbeitnehmer erhält eine monatliche Brutto-Vergütung/einen Brutto-Stundenlohn von ________ Euro.
(2) Die Vergütung ist jeweils spätestens zum Monatsende fällig und wird auf das vom Arbeitnehmer benannte Konto überwiesen.
Kontoinhaber: _______________________
Geldinstitut: _______________________
IBAN: _______________________________
(3) Der Arbeitnehmer ist darauf hingewiesen worden, dass er durch einen schriftlichen Antrag durch den Arbeitgeber (§ 6 Abs. 1b Sozialgesetzbuch Sechstes Buch - SGB VI) von der Rentenversicherungspflicht befreit werden kann.

§ 5 Sonderzuwendungen
(1) Der Arbeitgeber zahlt folgende Sonderzuwendungen (z. B. Urlaubsgeld, Weihnachtsgeld) in Höhe von ________ Euro.

§ 6 Erholungsurlaub
(1) Der Arbeitnehmer hat Anspruch auf einen gesetzlichen Mindesturlaub von derzeit 20 Arbeitstagen, ausgehend von einer Fünf-Tage-Woche. Der Erholungsurlaub wird vom Arbeitgeber durch ________ Arbeitstage ergänzt.
(2) Der Zeitpunkt des Urlaubs ist mit dem Arbeitgeber abzustimmen.

§ 7 Arbeitsverhinderung
(1) Der Arbeitnehmer verpflichtet sich, jede Arbeitsverhinderung unverzüglich – noch vor Dienstbeginn – dem Arbeitgeber mitzuteilen.
(2) Im Krankheitsfall von länger als drei Kalendertagen hat der Arbeitnehmer dem Arbeitgeber unverzüglich eine ärztlich erstellte Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung vorzulegen, aus der die voraussichtliche Dauer der Krankheit hervorgeht.
(3) Diese Nachweispflicht gilt auch nach Ablauf der sechs Wochen. Der Arbeitgeber ist berechtigt, die Vorlage der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung früher zu verlangen.
(4) Die Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall richtet sich nach den gesetzlichen Bestimmungen.
(5) Im Übrigen gelten für den Krankheitsfall die jeweils maßgeblichen gesetzlichen Bestimmungen.

§ 8 Einstellungsfragebogen
Der als Anlage beigefügte Einstellungsfragebogen ist fester Bestandteil dieses Vertrages. Der Arbeitnehmer versichert die Vollständigkeit und Richtigkeit der gemachten Angaben.

§ 9 Verschwiegenheitspflicht
Der Arbeitnehmer hat über alle betrieblichen Angelegenheiten, die ihm im Rahmen oder aus Anlass seiner Tätigkeit in der Firma bekannt geworden sind oder werden auch nach seinem Ausscheiden Stillschweigen zu bewahren.

§ 10 Weitere Beschäftigungen
Der Arbeitnehmer verpflichtet sich, jede Aufnahme einer weiteren Beschäftigung während der Dauer des Arbeitsverhältnisses dem Arbeitgeber unverzüglich schriftlich mitzuteilen.

§ 11 Kündigungsfristen
(1) Die ersten ________ Monate des Arbeitsverhältnisses gelten als Probezeit. Während dieser Zeit kann das Arbeitsverhältnis von beiden Seiten mit einer Frist von zwei Wochen (§ 622 Abs. 3 BGB) gekündigt werden.
(2) Nach Ablauf der Probezeit gelten die gesetzlichen Kündigungsfristen. Jede tarifliche oder gesetzliche Veränderung der Kündigungsfrist gilt auch für den Arbeitnehmer.
(3) Jede Kündigung hat schriftlich zu erfolgen.
(4) Der Arbeitgeber ist berechtigt, den Arbeitnehmer unter Fortzahlung der Vergütung und Anrechnung auf Resturlaubsansprüche bis zur Beendigung des Arbeitsverhältnisses freizustellen.


____________________, den ____________________
(Ort, Datum)

_______________________________
(Arbeitgeber)           

_______________________________
(Unterschrift des Arbeitnehmers bzw. bei Minderjährigen Unterschrift des gesetzlichen Vertreters)

*Die in dieser Vorlage des Arbeitsvertrags bereitgestellten Informationen wurden sorgfältig recherchiert. Dennoch übernehmen wir keine Gewähr für die Richtigkeit. Wir weisen hiermit darauf hin, dass die Informationen und Daten eine fachliche und individuelle Beratung nicht ersetzen.

Ein lückenloser und korrekter Arbeitsvertrag ist eine absolute Notwendigkeit, um einen Minijobber einzustellen. Durch die rechtlich bindende Vereinbarung sichern Sie Ihre Firma und auch den Arbeitnehmer ab. Um ein wirklich gutes Dokument zu erstellen, sollten Sie unsere Fakten zum Arbeitsrecht für geringfügig Beschäftigte unbedingt beachten und unser Muster für einen gewerblichen Arbeitsvertrag als Vorlage für Ihren Vertrag nutzen.