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Mehrere Minijobs neben dem Vollzeitjob - ist das erlaubt?

Lillia Seifert am 20.11.2019
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Mehrere Minijobs neben dem Vollzeitjob - ist das erlaubt?
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Inhalt:
  1. Was ist bei einem Minijob allgemein zu beachten?
  2. Mehrere Minijobs gleichzeitig ausüben – geht das? 
  3. Versicherungs- und Meldepflicht mehrerer Minijobs neben dem Vollzeitjob
  4. Ein Praxisbeispiel: Zwei Minijobs neben dem Vollzeitjob 
  5. Eine gute Ergänzung: Der kurzfristige Minijob 

Sie haben zu wenig Geld trotz Vollzeitjob? Oder brauchen Sie einfach einen guten Ausgleich zum Arbeitsalltag und möchten nebenbei Ihre Ersparnisse etwas aufstocken? Für viele ist der Minijob die perfekte Möglichkeit, neben der Hauptbeschäftigung steuerfrei etwas dazuzuverdienen. Doch ist es auch erlaubt parallel zum Hauptjob nicht nur einen, sondern zwei 450-Euro-Nebenjobs auszuüben? Im Folgenden erfahren Sie alles rund um das Thema Mehrfachbeschäftigung und wie Sie mehrere Minijobs optimal kombinieren können, um möglichst viel von Ihrem Verdienst zu haben. 

Was ist bei einem Minijob allgemein zu beachten?

Es handelt sich um einen Minijob, wenn der jährlich erwartete Verdienst die 5.400 Euro nicht übersteigt. Überschreitet ein Arbeitgeber die vorgeschriebene monatliche Grenze von 450 Euro, dann hat das keine Auswirkungen, so lange der Monatsdurchschnittswert nicht über 450 Euro liegt. Allerdings muss die Verdienstgrenze von jährlich 5.400 Euro in jedem Fall eingehalten werden, sonst wird der Job sozialversicherungspflichtig und automatisch zu mehr, als einer geringfügigen Beschäftigung. Wenn sich der Lohn ändert, ist ein Wechsel zwischen den Beschäftigungsformen bei korrekter Versicherung und Meldung kein Problem.  

Mehrere Minijobs gleichzeitig ausüben – geht das? 

Wenn keine Hauptbeschäftigung vorliegt, ist es problemlos möglich mehrere Minijobs auszuführen, so lange die Grenze von 450 Euro im Monat insgesamt nicht überschritten wird. Andernfalls sind alle Nebenjobs sozialversicherungspflichtig. 
Im Falle einer bereits vorhandenen Hauptbeschäftigung gesteht der Gesetzgeber den Arbeitnehmern lediglich einen Minijob ohne Abgaben zu. Jede weitere geringfügige Beschäftigung ist dann kein Minijob mehr und wird sozialversicherungspflichtig. Dabei spielt sowohl die Arbeitszeit als auch die Verdiensthöhe des zweiten Nebenjobs keine Rolle. 

Versicherungs- und Meldepflicht mehrerer Minijobs neben dem Vollzeitjob

Es ist also grundsätzlich erlaubt, mehrere Minijobs neben dem Vollzeitjob auszuführen. 
Allerdings gibt es einen Haken: Auch wenn in beiden Nebenjobs insgesamt nicht mehr als 450 Euro dazu verdient werden, bleibt lediglich der zuerst aufgenommene eine geringfügige Beschäftigung und muss der Minijob-Zentrale gemeldet werden. Der Verdienst des zweiten Nebenjobs wird dann mit dem des Vollzeitjobs addiert und es besteht die Meldepflicht zur Kranken-, Renten- und Pflegeversicherung. 

Übersteigt auch der zweite Minijob die 450 Euro nicht, dann entfällt für diesen immerhin auch die Versicherungspflicht in der Arbeitslosenversicherung. 

Ein Praxisbeispiel: Zwei Minijobs neben dem Vollzeitjob 

Markus arbeitet seit mehreren Jahren hauptberuflich als Erzieher in einer Kindertageseinrichtung und seit Februar 2019 als Aushilfe in einer Buchhandlung. Nun möchte er zusätzlich einmal die Woche als Raumpfleger in einem Gastronomiebetrieb arbeiten. 
Markus hat dann folgende monatliche Verdienste:

  • seit mehreren Jahren in der Kindertageseinrichtung (A) 700 Euro 
  • seit Februar 2019 in der Buchhandlung (B) 350 Euro 
  • ab sofort im Gastronomiebetrieb (C) 100 Euro 

Markus’ Verdienst liegt mit dem Vollzeitjob A und dem Minijob B monatlich bei insgesamt 1050 Euro, da er den Nebenjob ohne Abgaben versicherungsfrei ausüben darf. Würde er nun zu sofort den zweiten Minijob als Raumpfleger annehmen, bestünde für diesen, zusammengerechnet mit der sozialversicherungspflichtigen Hauptbeschäftigung, ebenso Meldepflicht in der Kranken-, Renten- und Pflegeversicherung. 

In Anbetracht der Abgaben rentiert sich für Markus der zusätzliche Verdienst von 100 Euro im Minijob C nicht. Besser wäre es, wenn er sein Arbeitsentgelt aus der geringfügigen Beschäftigung B auf 450 Euro aufstocken ließe. 
Eine weitere gelungene Alternative, um neben dem Vollzeitjob nicht nur einen 450-Euro-Minijob auszuüben, sondern darüber hinaus noch etwas Geld dazuzuverdienen, stellt der kurzfristige Minijob dar. 

Eine gute Ergänzung: Der kurzfristige Minijob 

Der kurzfristige Minijob bietet die perfekte Problemlösung, denn er gibt Ihnen als Arbeitnehmer die Möglichkeit, wie beim einfachen 450-Nebenjob, das zusätzlich verdiente Geld ohne Versicherungsabgaben zu behalten. 

Ein kurzfristiger Minijob unterscheidet sich deutlich vom klassischen monatlichen 450-Euro-Nebenjob, da keine bestimmte Verdienstgrenze festgelegt ist. Allerdings besteht eine gesetzlich festgelegte maximale Ausübungsdauer von 3 Monaten infolge oder 70 Arbeitstagen jährlich. Eine vertragliche Vereinbarung von 3 Monaten Arbeitszeit, beinhaltet eine Arbeitspflicht von mindestens fünf Tagen pro Woche. Wird sich jedoch für die 70 Tage Regelung entschieden, darf der Minijobber nur an unter fünf Tagen in der Woche arbeiten. Diese kurzfristige Form der geringfügigen Beschäftigung kann sowohl im Privathaushalt als auch im gewerblichen Sektor ausgeübt werden und eignet sich optimal als Ferienjob für Studenten oder Schüler.
 
Wenn Sie eine oder mehrere kurzfristiger Beschäftigungen ausüben, entfallen jegliche Sozialabgaben, insofern Sie sich an die Gesetzmäßigkeiten der zeitlichen Begrenzung auf 3 Monate oder 70 Arbeitstage halten. Demnach müssen sowohl der Arbeitnehmer als auch der Arbeitgeber die Beiträge zur Arbeitslosen-, Kranken-, Renten- und Pflegeversicherung nicht leisten. 

Übersteigt die Arbeitszeit allerdings die Regelungen und liegt der monatliche Verdienst unter 450 Euro, dann handelt es sich um eine normale geringfügige Beschäftigung auf 450-Euro-Basis. Liegt der Lohn über den festgesetzten 450 Euro im Monat, dann ist die ausgeübte Beschäftigung sozialversicherungspflichtig. 

Wichtig zu wissen: Die Verdienste aus dem Minijob auf 450-Euro-Basis und dem kurzfristigen Minijob werden nicht addiert. 

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass es zwar erlaubt ist, mehrere Minijobs neben dem Vollzeitjob zu haben, es sich aber aufgrund der Sozialabgaben eher rentiert nur einen Job nebenbei auszuführen. Wenn Sie dennoch zu Ihrer Hauptbeschäftigung und dem 450-Euro-Nebenjob etwas Geld dazu verdienen möchten, dann raten wir Ihnen, es mit einem kurzfristigen Minijob über die Ferien- oder Winterzeit zu probieren. Auf diese Weise können Sie zwei Minijobs gleichzeitig ausüben, die von der Sozialversicherungspflicht befreit sind.